Ein Familienbetrieb aus Überzeugung

Das Gasthaus Veit hat eine sehr lange Tradition und eine bewegte und interessante Vergangenheit. Grundsätzlich kann man feststellen, dass insbesondere die bürgerliche Note bis heute erhalten blieb. Der Gasthausname „Veit“ ist von seinem Gründer Vitus Nagel, Jahrgang 1836, abgeleitet. Eröffnet hat Vitus Nagel die Wirtschaft am 07.12.1875 in der großen Bauernstube im 1. Stock. Dieser Gastraum war über 100 Jahre für die Bevölkerung im Gmünder Raum ein Begriff als „Spiegelsaal“. Ein großer Wandspiegel war fester Bestandteil der Einrichtung, wobei zur Ausstattung neben Theke, Bestuhlung mit Tischen auch Sofa, Wetterglas und Weihwasserkessel gehörte.

Vom Gastraum führte eine einfache Holztüre direkt ins Schlafzimmer der Wirtsleute. Da weder Bad noch Waschbecken im Haus vorhanden waren, war die Küche gleichzeitig auch Nasszelle für die ganze Familie. Man stelle sich dies heutzutage mit dem Wirtschaftskontrolldienst vor. Es ging immer geordnet zu, das zeigten die vielen zufriedenen Stammgäste. Vitus Nagel und seine Frau Josefa betrieben neben der Gaststätte auch eine Landwirtschaft. Die Eingänge von Gaststätte und Stall lagen unmittelbar nebeneinander, somit eine eindeutige „Landgaststätte“ oder besser ausgedrückt eine „Landwirtschaft“.

Tochter Josefa, Jahrgang 1869, heiratete 1899 Alois Kottmann vom Edelhof und übernahm Landwirtschaft und Gaststätte von den Eltern. Alois Kottmann hatte noch ein weitres Einkommen durch seine Tätigkeit als Schreiner bei der Firma Scheuerle in Waldstetten.

Von den sieben Kindern übernahm Sohn Alois, Jahrgang 1900, den elterlichen Betrieb. Alois Kottmann war neben seiner Tätigkeit als Land- und Gastwirt auch Hausmetzger. Er schlachtete bei den Bauern in Weilerstoffel, Wißgoldingen und den umliegenden Höfen nach Bedarf. Bei Alois Kottmann und seiner Frau Maria vom hinteren Tannhof liefen die Geschäfte so gut, dass im Erdgeschoss ein weiterer Gastraum eingerichtet werden konnte.

Der beginnende Wandertourismus nach dem Zweiten Weltkrieg und die Aufnahme der Post- Omnibuslinie Schwäbisch Gmünd- Waldstetten- Weilerstoffel waren ein enormer Aufschwung für die Gastronomie. Der unmittelbare Nachbarhof Hörsch- Kertai wurde vom „Veit“ 1959 gekauft, nachdem dieser die Landwirtschaft aufgegeben hatte. Das alte Wohnhaus Hörsch wurde nach einigen Jahren abgebrochen, somit waren für den Gastbetrieb ideale Erweiterungsmöglichkeiten vorhanden. Erwähnenswert ist, dass im unteren Gastraum von 1941- 1945 ein Kindergarten betrieben wurde. Das erste amtliche Telefon der Post im Ort wurde im Veit von 1937- 1955 eingerichtet, und alle Telefongespräche der Einwohnerschaft von Weilerstoffel wurden während dieser Zeit im „Veit“ geführt. Telegramme und Nachrichten aller Art mussten in erster Linie von den Kindern vom „Veit“ an die Dorfbewohner sowie zu den umliegenden Höfen überbracht werden.

1945- 46 erfolgte im unteren Gastraum (ehemals Kindergarten) die Existenzgründung der Firma JONA (Josef Nagel). Hier fertigten Näherinnen die ersten Kleidungsstücke. Später wurde der Betrieb nach Waldstetten und danach nach Strassdorf verlegt und hatte bis zu 200 Beschäftigte. Eine Menge lustiger Ereignisse spielten sich im Veit während dieser Zeit ab. Beispiele: „Schwarzmetzgen“,was Schlachten ohne Genehmigung bedeutete, wurde vom Hausmetzger „Veit“ in den Kriegs- und Nachkriegsjahren oftmals erfolgreich durchgeführt. Einmal stellte der Fleischbeschauer bei der Kontrolle in der Schlachtküche fest, dass bei einer zum Schlachten gemeldeten Sau zwei Schwänzchen bei den zerlegten Fleischteilen lagen. Welch ein Leichtsinnsfehler beim Wegschaffen der zweiten, schwarzgeschlachteten Sau.

Fasching: Die Mutter von Alois Kottmann, welche eine Perücke trug, half bei besonderen Anlässen in der Gaststätte aus. Bei einem Faschingsball legte sich die Seniorwirtin zu gegebener Zeit schlafen und ihre Perücke auf ihren Nachttisch. Der Ballgast Bernhard Ziller aus Waldstetten schlich sich ins Schlafzimmer, welches durch eine direkte Tür von der Gaststube Zugang hatte und setzte die Perücke für die weitere Ballnacht auf, was zur allgemeinen Erheiterung beitrug.

Trinkfeste Gäste: Kaminfeger Huber aus Schwäbisch Gmünd war für die Kaminreinigung in Weilerstoffel zuständig. Reichlicher Alkoholkonsum bei den Bauern und beim Abschluss im „Veit“ waren selbstverständlich. Als der Wirt den Kaminfeger auf den letzten Postbus schickte, verließ dieser statt durch den Vorderausgang das Haus versehentlich durch den hinteren Ausgang und stürzte in den tiefen Tobelbach. Die Bergung des Zweizentnermannes erwies sich als sehr schwierig, jedoch wurde letztlich daraus mit Seil und starken Männern des Dorfes eine Dorfbelustigung.

Hugo Kottmann, Jahrgang 1939, übernahm den „Veit“ 1973 und führte den Betrieb samt Landwirtschaft und Hausmetzgerdiensten mit seiner Frau Maria von der Talmühle bei Wißgoldingen erfolgreich weiter. Ein größerer Umbau wurde gleich nach der Übernahme durchgeführt. Infolge der guten Geschäfte und der Tourismusanforderungen erfolgte 1980 ein weiterer An- und Ausbau sowie die Einrichtung von Gästezimmern und Ferienwohnungen.

Die gut bürgerliche und beliebte Gaststätte „Veit“ hat 2007 Sohn Wolfgang Kottmann, ein gelernten Koch und Küchenmeister, übernommen. Somit ist der Übergang in die 5. Familiengeneration nahtlos erfolgt.

Die Landwirtschaft mit einstmals ca. 15 Stück Vieh wird nur noch im Nebenerwerb als so genannte „Hobbylandwirtschaft“ und natürlich auch zur Fleischerzeugung für die Gasstätte betrieben.


Die Passage stammt aus dem Buch „Weilerstoffel – Ein Dorf verändert sich“ von Bernhard Waibel (2011). Das Buch kann im Landgasthof Veit eingesehen werden.

Familie Kottmann heißt Sie herzlich willkommen!

Landgasthof
Veit
73550 Waldstetten-Weilerstoffel
Tannweiler Straße 2
Telefon (07171) 4 18 16
Donnerstag Ruhetag
Montags ab 17 Uhr geöffnet